Morgen komm ich später rein (IV)

Alles in allem liest sich das Buch nicht nur sehr schnell weg, sondern hat zumindest mir ehrlich gesagt aus dem Herzen gesprochen. Viele der gegebenen Beispiele spiegeln das wider, was ich intuitiv selbst so empfinde, mit dem positiven Extra, dass es sich dabei um praktisch umgesetzte Unternehmensstrukturen handelt und nicht nur um das Wunschdenken vereinzelter Bürogeplagter, die des Nachts von einem Home Office – wo immer dieses sein mag – träumen. 

Einfach nur mal ausschlafen.

Es ist doch eine Idiotie, dass so manch ein Büroangestellter sich allmorgendlich regelrecht ins Büro quält und dort die ersten zwei Stunden Löcher in die Luft starrt, ehe er schließlich am Nachmittag seine Arbeit nachholt. Teils bedeutet dies Überstunden, manchmal aber eben auch nicht, sondern einen pünktlichen Feierabend, weil man seinen flow gefunden hat. Wieso also nicht den Vormittag anders verbringen? Wie war das doch gleich im Studium? Da hat es doch auch geklappt mit der freien Zeiteinteilung! Auch wenn es so manches mal knapp war, die Hausarbeit noch termingerecht abzuliefern oder den Vortrag samt Power Potint Präsentation noch rechtzeitig fertig zu kriegen, in der Regel hat diese Arbeitsweise funktioniert.

Ich lobe mir ja schon das Vorbild der B-Society. Camilla Kring musste sich in Dänemark, wo sie lebt, mit denselben Vorurteilen herumschlagen wie es sie oft hier zu Lande zu hören gibt. Auch wir haben bereits einen Artikel zum Thema „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ verfasst, in dem ich mich selbst als B-Typen geoutet habe und hier offen zugebe, dass ich gern mal des Nachts zur Höchstform auflaufe und weite Teile meiner Magisterarbeit zu später Stunde am PC entstanden sind und nicht tagsüber in der Bibliothek, die leider nicht durchgängig geöffnet hat. In vielen Bereichen kann man das Leben der Langschläfer, aber auch das der Frühaufsteher um einiges angenehmer gestalten, in dem man es dem Menschen selbst überlässt, seinen Tag zu planen und so seinem Biorhythmus zu folgen.

Was die Veränderung noch so alles mit sich bringt

Doch zurück zu den Vorteilen, die durch Niemanden von der Hand zu weisen sind und über das, was den Einzelnen und seine Wünsche anbelangt, weit hinaus geht. Schon mal drüber nach gedacht, wie viel Zeit man allein sparen würde, wenn das Pilgern zur Arbeitsstätte nicht mehr täglich von Nöten wäre? Keine Rush Hour mehr, keine endlosen Staus, keine langwierigen Bus- und Bahnreisen, um täglich am selben Ort anzugelangen und Tätigkeiten auszuüben, die man ebenso gut auch von zu Hause aus oder am Strand von Honolulu hätte erledigen können. Schon allein das würde enorm zur Reduktion von Abgasen und damit zur Reduzierung des CO2-Haushaltes beitragen. Bürogebäude könnten und sollten anders konzipiert werden, um der veränderten Situation gerecht zu werden. Da nicht jeder Mitarbeiter täglich seinen Schreibtisch braucht, bedeutet dies auch eine enorme Platzeinsparung in den Räumen.

Im Allgemeinen kann durch die Umsetzung solcher oder ähnlicher Konzepte, die Markus Albers in seinem Buch beschreibt, die Zufriedenheit des einzelnen Arbeitnehmers deutlich erhöht werden, was zu einem merklichen Rückgang der freiwilligen Kündigungen führt und somit auch den Arbeitgeber freuen dürfte. Ist der Job also solcher wichtig oder sind es die Kollegen? Diese Frage haben wir euch schon gestellt und geben hier noch mal zu bedenken, dass vor allem auch die Bedingungen am Arbeitsplatz früher oder später zu Kündigungen führen (können). Stimmen diese, fördert dies ungemein die Loyalität des Arbeitnehmers dem Unternehmen gegenüber und stärkt insgesamt das Firmenimage.

Work-Life-Balance

Die Chefetage profitiert nicht zuletzt selbst von einer maximal flexiblen Arbeitsstruktur, in der Beruf und Alltag auf der einen Seite mehr und mehr mit einander verschmelzen und auf der anderen Seite wieder separat nebeneinander existieren können. Wie ist das gemeint? Nun, wenn wir das Büro ständig mit uns herum tragen und praktisch überall erreichbar sind, kann dies dazu führen, dass man schließlich überall nur noch am Arbeiten ist. Setzt man sich und anderen hingegen Grenzen und ist ganz klar im angemeldeten Urlaub nicht erreichbar und verrichtet die Arbeit wie gehabt in konzentrierter Weise hintereinander weg (nur eben nicht im Büro, sondern zu Hause, in nur 5 Stunden), dann gewinnt man ein soziales Leben (zurück), das man so vielleicht noch nie besessen hatte. Deswegen gibt es trotzdem mal stressige Phasen und der Gang ins Büro wird sich auch nicht für immer vermeiden lassen, aber generell hat man es selbst in der Hand, wie man den Tag gestaltet und wann man was macht.

Die Mitarbeiter sind außerdem motivierter, kreativer, produktiver und nicht zuletzt mit sich und dem Arbeitgeber zufriedener. Mit Kollegen kann man sich ja trotzdem auch privat treffen. Aber man ist nicht mehr gezwungen am gemeinsamen Frühstück in der Abteilung, an der Grillparty am Abend oder dem nächsten Treffen in einer Bar teilzunehmen, weil diese eine inoffizielle Pflichtveranstaltung darstellen, die den Teamgeist fördern und über die sonstigen schlechten Bedingungen hinweg täuschen sollen. Keine Bonbons mehr, wie hier und da ein Zugeständnis, ein kleiner Bonus, sondern mehr Freiheit für die eigenen Entscheidungen.

Viele dieser hier nur angedeuteten Inhalte führt Herr Albers natürlich noch wesentlich genauer in seinem Werk aus. Wer also mehr über die Möglichkeiten der beginnenden Zukunft und über das Umdenken in der Wissensgesellschaft erfahren will, der sollte selbst den Gang in den nächsten Buchladen tätigen und einen Blick in „Morgen komm ich später rein” tätigen. Da bleibt mir nur eines zu wünschen: Viel Spaß bei der Lektüre!

Zum Nachlesen des ersten Teils unserer kleinen Reihe klick einfach hier.

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