Morgen komm ich später rein (III)

Wann hat man eigentlich die besten Einfälle? Tatsächlich auf Knopfdruck, im Büro und bei stärkster Konzentration auf das Problem, auf das eine Lösung schnellst möglich gefunden werden muss? Oder beim entspannten Jogging durch den Park? Beim Klamottenshoppen und Flanieren durch die Altstadt an einem freien Nachmittag? Oder womöglich unter der Dusche, noch bevor der Tag überhaupt richtig angefangen hat? Vielleicht auch beim Austausch mit den lieben Kollegen, die einem hier und da einen Denkanstoß geben können. Die Möglichkeiten sind vielfältig, aber definitiv nicht ortsgebunden.

“ROWE steht für <<Results only work enviroment>>, zu deutsch: eine Arbeitsumgebung, in der ausschließlich das Ergebnis zählt. ROWE, vor vier Jahren bei Best Buy eingeführt, ist nichts weniger als eine Revolution des Büroalltags. Denn es schafft ihn einfach ab. Mit ROWE gibt es überhaupt keine Anwesenheitspflicht mehr, keine Kernarbeitszeiten und kein Stundenzählen. Jeder darf arbeiten wann, wo und so lange er will. Hauptsache, er hält die vorab vereinbarten Ziele ein.

Klingt wie Anarchie? Klappt vielleicht in einem Kibbuz, aber nicht in der Zentrale eines Unternehmens? Dann treffen Sie sich mal mit Cali Ressler und Jody Thompson, die ROWE erfunden und für alle der mehr als 4000 Mitarbeit in der Best Buy-Zentrale eingeführt haben. Danach zweifeln Sie nicht mehr, dass ihre Erfindung schlichtweg die Arbeitsform der Zukunft ist. Und unser normaler Büroalltag hoffnungslos veraltete Menschenschinderei.”

Ein längeres Zitat, das aber nötig war, um die Sache auf den Punkt zu bringen. Markus Albers hat die beiden Frauen, die in der Personalabteilung des Unternehmens tätig waren, getroffen und interviewt und gibt ausführlich in seinem Buch wieder, wie Frau auf die Idee kam uns weshalb auch die Führung nach einer kurzen Probezeit schnell überzeugt war.

Denn nicht nur die Mitarbeiter profitieren von flexiblen Arbeitszeiten, sondern auch ganz klar die Arbeitgeber. Bei einer solchen Struktur kann sich niemand mehr hinter dem anderen verstecken, Däumchen drehen, dusslig quatschen und hoffen, dass die Zeit im Büro möglichst schnell vergeht. Jeder hat seine eigenen Aufgaben und Termine, die eingehalten werden müssen. Dadurch fällt es viel schneller auf, wenn es jemand zwischen dem Kinobesuch, dem Nachmittag im Freibad und der Cocktailparty eines Freundes versäumt hat, seiner Arbeit nachzugehen.

Wie funktioniert das?

Die Frage beantwortet sich quasi bereits von selbst. Zum einen ist auch dem freisten Mitarbeiter daran gelegen seine Ergebnisse pünktlich vorzulegen, da er eben andernfalls bald keinen Job mehr hat. Und zum anderen kann man wohl mit Fug und Recht davon ausgehen, dass die meisten Menschen gewillt sind, etwas zu leisten, sich selbst neue Ziele zu stecken und sich herauszufordern. Je mehr Abwechslung dabei, desto besser.

Daher ist es eine vollkommene Fehlinterpretation, hinter alle dem Faulheit oder Unwillen zu vermuten. Das Gegenteil ist der Fall! Der wirkliche Unterschied, der so augenscheinlich ist, dass man buchstäblich den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, ist der, dass künftig durch solch ein System nicht mehr die Arbeitszeit bezahlt wird, sondern die wirklich erbrachte Leistung! Wie lange man für die Erledigung einer Aufgabe braucht, kann nicht durch Bürozeiten festgesetzt, sondern nur veranschlagt werden.

Ebenso wenig kann man Menschen nicht zur Produktivität zwingen, wenn diese im Mittagstief nichts zu Wege bringen, als Morgenmuffel generell nicht vor 11 Uhr munter geworden sind oder bereits am frühen Nachmittag einfach die Luft raus ist. Individuelle Vorlieben und Unterschiede sollten nicht bestraft oder ignoriert, sondern berücksichtigt werden.

Und dazu mehr in dem vierten und letzten Teil unserer Ausführungen über “Morgen komm ich später rein”. Wer gern erst einmal den Anfang dieser Reihe lesen möchte, der solle dies tun und findet Teil 1 hier und Teil 2 hier.

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